Hinter mir liegt die erfolgreichste Saison meiner bisherigen Laufbahn. Auch wenn es während der Vorbereitung bis in den frühen Winter hinein noch nicht rosig aussah, versuchte ich, mich in dieser Zeit nicht aus der Ruhe bringen zu lassen und arbeitete Schritt für Schritt an meiner Form. Je länger der Winter anhielt, umso mehr kam ich, wie ein Dieselmotor in Fahrt. Ich konnte aufdrehen und mir schließlich die Swiss-Ski-Selektion sichern. Aber der Reihe nach…
Skifahrer werden im Sommer gemacht!
Anfang Mai ging es los mit dem Konditions- und Kraftaufbau. In dieser Zeit entstand auch eine neue Zusammenarbeit. Mit Christoph Feyer (Vitaperform), einem ehemaligen Spitzenringer und derzeitigen Personaltrainer, hatte ich eine neue Kraft im Bereich Athletiktraining an meiner Seite. Gemeinsam verfolgten wir den ganzen Sommer lang nur ein Ziel: mich kräftiger, fitter und schneller zu machen. Mit Erfolg: Von Anfang Mai bis in den Herbst hinein konnte ich 5 kg Körpergewicht zulegen (hauptsächlich Muskelmasse 😉). Ausserdem konnte ich meine Maximal- sowie Schnellkraftwerte verbessern.


Die Vorbereitung auf Schnee forderte mich auf neuen Ebenen
Mitte Juli ging es bereits wieder auf den Schnee. In Zermatt fand das erste Camp der neuen Saison statt. Diese ersten Tage wollte ich nutzen, um an den technischen Basics zu arbeiten. Dazu gehört auch, dass ich anfangs bewusst Schwünge gerutscht oder sogar im Stemmbogen fahre. Während das von aussen aussieht, als hätte man das Skifahren verlernt, ist es in Wahrheit ein wichtiger Bestandteil der Vorbereitung, bei dem wichtige Bewegungsmuster in langsamem Tempo verinnerlicht werden.
Im zweiten Camp in Saas-Fee war bereits Stangentraining angesagt. Ich versuchte, die Bewegungen, die ich in Zermatt beim Freifahren automatisiert hatte, nun in die Tore zu bringen. Sobald in den Stangen trainiert wird, entsteht auch mehr Intensität. Leider bekam ich das diesmal ordentlich zu spüren: Gleich am ersten Tag zwickte es mir in einer Kompression im Rücken. Nach diesem Hexenschuss konnte ich zwei Tage kaum mehr laufen und musste das Camp sofort abbrechen. Es folgten einige Abklärungen und Physio-Sessions. Es kam heraus, dass in meinem Rücken die eine Seite deutlich stärker war als die andere. Bei der hohen Belastung verhärtete sich die eine Seite schlagartig, was mir unheimliche Schmerzen zufügte. Ich musste in den Wochen darauf grossen Fokus auf das Training der Tiefenmuskulatur setzen, um diese Disbalance auszugleichen. Ich verpasste noch ein weiteres Camp, ehe ich wieder ins Skitraining einsteigen konnte.
Obwohl die Verletzungspause an sich gar nicht so lange dauerte, fiel es mir noch lange schwer, wieder volles Vertrauen in meinen Rücken zu gewinnen. Dieses Gefühl begleitete mich praktisch bis zu den ersten Rennen. Trotzdem war die Vorbereitung keineswegs schlecht.
Als wir Anfang November ins Schnalstal reisten, um gemeinsam mit dem C-Kader von Swiss-Ski Riesenslalom zu trainieren, merkte ich zunehmend, dass ich wieder in Form kam. Da diese Trainingstage vor allem der Rennvorbereitung dienten, standen auch zahlreiche Rennsimulationen auf dem Programm. Dabei gelang es mir, einzelne Läufe für mich zu entscheiden. Ein wichtiger Schub an Selbstvertrauen im Hinblick auf die ersten Rennen.


Auf los gings los!
Nach dem Saisonauftakt der grossen Jungs beim Weltcup in Sölden begann meine Saison ein paar Wochen später in Zinal. Auf dem Programm standen zwei Riesenslaloms. Zudem verkündete Swiss-Ski, dass diese beiden Rennen gleichzeitig als Qualifikation für die ersten Europacup-Rennen zählen würden. Entsprechend wollte ich mich bestmöglich präsentieren, um mir einen solchen Startplatz zu sichern.
Nun, um es kurz zu fassen: Daraus wurde leider nichts. Am ersten Tag verlor ich bereits im ersten Lauf einen Ski und war damit früh aus der Entscheidung. Am zweiten Tag konnte ich mich nach dem ersten Lauf zwar solide in den Top 15 klassieren, machte im zweiten Lauf jedoch einen derartigen Umweg im ausgerutschten Schnee, dass es mich noch aus den Top 30 spülte. Ich war sehr enttäuscht, dass ich mich nicht für die EC-Rennen qualifizieren konnte. Da ich nun aber wusste, dass mein EC-Start ohnehin noch auf sich warten lassen würde, konnte ich die nächsten FIS-Rennen etwas lockerer angehen.
Eine Woche später standen bereits die nächsten FIS Riesenslalom-Rennen in Davos auf dem Programm. Davor konnte ich nochmals ein bis zwei Tage in Ruhe trainieren, um mein Vertrauen wieder aufzubauen. Schon am Start fühlte ich mich ganz anders als noch eine Woche zuvor. Ich war wieder bereit, mehr zu riskieren.
Dass ich an diesem Ort bereits im Vorjahr triumphieren konnte, gab mir zusätzliches Vertrauen. Und siehe da: Bereits am ersten Tag stand ich wieder auf dem Treppchen. Platz 2 und nur fünf Hundertstel hinter dem Sieger.


Ein harter Monat
Ich hatte mit dem 2 Rang in Davos bereits früh in der Saison ein solides Punkteresultat im Gepäck. Dennoch konnte ich nicht das ultimative Vertrauen schöpfen. Die kommenden 1-2 Wochen blieben mehrheitlich erfolglos für mich. Ich erzielte keine schlechten Resultate aber der Schritt nach ganz vorne blieb aus. Ich versuchte im Training wieder mein Vertrauen aufzubauen, dabei veränderte ich auch 1-2 kleine Dinge am Material, z.b wechselte ich auf ein Vorgänger Schuhmodell zurück. Meinen Rücken hatte ich mittlerweile auch wieder im Griff. Ende Dezember fanden auch die ersten Super-Gs der Saison statt, davon zwei in Zinal. An dem Ort, an dem ich mich ein Jahr zuvor in dieser Disziplin verletzt hatte. Das stellte sich für mich auch als kleine mentale Hürde heraus. Ich konnte zwar in Zinal kein gutes Resultat erzielen, aber dass ich mich der Angst gestellt habe, war bereits ein kleiner Sieg für mich.
Neues Jahr, neues Glück
Über Weihnachten und Neujahr hatte ich Zeit, den Kopf etwas zu lüften. In meinem Heimgebiet Schwarzsee konnte ich ein paar Schwünge ziehen. Dadurch war ich mental wieder frisch und konnte in den darauffolgenden Trainingstagen mit neuer Energie antreten, um weiter an meiner Form zu arbeiten. Diese kurze Rennpause und das anschliessende Training taten mir sichtlich gut.
Mitte Januar konnte ich nach über einem Monat wieder auf dem Podest stehen – mit einem 2. Platz im Riesenslalom in Leukerbad. Dabei hatte sich bei mir ein Knoten gelöst, und ich fand endlich richtig ins Fahren. Kurz darauf folgte mein erster Sieg der Saison und damit auch mein erstes 23.00-Resultat (FIS-race-Minimum). So konnte ich mir Ende Januar gleich selbst ein schönes Geburtstagsgeschenk machen.


Ich hatte Hunger auf mehr
Der Februar war lanciert, und ich konnte in vier weiteren Riesenslalom-Rennen hintereinander jeweils unter die Top 2 fahren. Davon gewann ich zwei Rennen und erzielte zudem weitere 23.00-Resultate. In diesem Jahr gab es eine Änderung im Punktesystem: Neu wurde der Durchschnitt aus drei Resultaten berechnet (nur im GS und SL). Mit drei Siegen im GS stand ich neu als Nr. 16 der Schweiz da (inklusive Weltcup Athleten). Nach diesen Erfolgen wollte ich den Fokus vermehrt auf den Super-G legen, da diese Disziplin für die Kaderselektionen noch wichtig werden sollte.



Es fehlt nicht mehr viel
Mitte März reisten ich an den Stoos um 2 Super-Gs zu bestreiten. Die Besetzung war sehr stark. Praktisch das ganze Europacupteam stand am Start.
Mit Startnummer 21 nahm ich die Strecke in Angriff. Die ersten beiden Wellen gelangen perfekt, danach folgte die kurze Traverse hinein in den Steilhang. Auch dort traf ich die optimale Linie. Am Ende des Steilhangs lag ich sogar in Führung. Auf dem letzten, etwas flacheren Abschnitt verlor ich leider noch vier Plätze. Mit dem 5. Platz und meinem bisher besten Punkteergebnis, in dieser Disziplin, damit war ich sowas von zufrieden.
Im zweiten Rennen konnte ich die starke Leistung aus dem ersten Lauf direkt bestätigen. Rangmässig klassierte ich mich auf dem 8. Platz, verlor jedoch drei Zehntelsekunden weniger auf den Führenden. Damit konnte ich meine FIS-Punkte nochmals verbessern.

Dank meiner starken Resultate im Riesenslalom und den nun auch im Super-G erreichten FIS-Punkten war bereits Mitte März klar, dass ich die Swiss-Ski-Selektion für den kommenden Winter schaffen würde. Warum war ich mir dessen so sicher? Für den Aufstieg ins C-Kader musste ich in der Weltrangliste, basierend auf den zusammengezählten Punkten aus Riesenslalom und Super-G, unter den Top 350 liegen. Für das B-Kader war sogar ein Platz unter den Top 250 erforderlich.
Nach den Rennen am Stoos belegte ich Rang 280.
Ende Saison und nichts zu verlieren – Ab nach Übersee
Die Saison neigte sich schon dem Ende zu, da bekam ich einen Anruf vom Swissski Nachwuchschef. Ich wurde aufgeboten um an den Nor-Am-Cup Finals, im Riesenslalom, in Aspen (USA) Teil zu nehmen. Ich hatte nichts zu verlieren und habe deshalb sofort zu gesagt. Mein Ziel war es in die Top 30 zu fahren, um meine ersten Nor-Am Cup Punkte zu sichern.
Die Nor-Am Rennen sind teil eines Kontinental Cups auf gleicher Ebene wie z.b der Europacup. Gleich wie im Weltcup starten die ersten 30 nach Cup-Punkten. Da ich noch nie ein Nor-Am Rennen gefahren bin und daher noch keine Punkte hatte, musste ich am Tag 1 nach den ersten 30 an den Start gehen. Das sollte sich aber schnell ändern.
Die Bedingungen waren alles andere als einfach. Bei Temperaturen von bis zu 20 Grad verschlechterte sich die Piste von Fahrer zu Fahrer zunehmend. Mit Startnummer 35 klassierte ich mich im ersten Lauf des ersten Rennens als höchst gestarteter Athlet gerade noch in den Top 30, mit P. 29. Dadurch durfte ich im zweiten Lauf sehr früh ins Rennen gehen. Diese gute Ausgangslage wollte ich bestmöglich nutzen. Was folgte, war wohl eine der besten Fahrten meiner bisherigen Karriere. Mit Laufbestzeit und einem Vorsprung von sieben Zehntelsekunden auf den zweitschnellsten Fahrer machte ich Rang um Rang gut und kämpfte mich schliesslich bis auf den hervorragenden 5. Platz nach vorne. Dank dieser starken Leistung durfte ich am folgenden Tag bereits mit Startnummer 24 an den Start gehen. Auch in diesem Rennen gelangen mir zwei überzeugende Läufe, die mich erneut in die Top 10 brachten, diesmal auf Rang 8
Fazit: Der Trip hat sich gelohnt😉


Nun war die Saison schon fast vorbei, und es standen nur noch die Schweizer Meisterschaften in St. Moritz an.
In der Abfahrt gelang mir mit einer Startnummer über 60 ein guter 22. Platz. Im SG und Riesenslalom konnte ich dann nicht mehr wie gewünscht abliefern, die Luft war draussen. So endete meine Saison 2025/26.
Kurzes Résumé
Ich glaube, ich darf stolz auf das sein, was ich in dieser Saison erreicht habe. Der Saisonstart war alles andere als einfach und brachte einige Herausforderungen mit sich. Doch ich habe mich nach jedem Rückschlag wieder aufgerappelt, weiter an mir gearbeitet und nie aufgegeben. Ich habe meine Entwicklung konsequent vorangetrieben und kam schliesslich richtig in Fahrt. Mein grosses Ziel war es, bis zum Saisonende den Aufstieg zu schaffen und genau das ist mir gelungen.
Meine grössten Erfolge
- 3 Saisonsiege, 8 Podestplätze
- FIS-Punkte (liste 2025/26): 23.00 im GS und 31,91 im SG
- P. 5 und P. 8 an den Nor-Am Cup Finals in Aspen im GS
- Aufstieg in die Swissski Europacup-Riesenslalom Gruppe

Ich möchte mich bei euch bedanken
Als erstes möchte ich meinen Eltern herzlich danken die mich seit Jahren tatkräftig unterstützen und mir tagtäglichen Rückhalt geben.
Ein weiteres grosses Dankeschön geht an meine weitere Familie in der Schweiz sowie in Deutschland. Ich bin stolz und dankbar meinen Weg mit euch teilen zu dürfen.
Ganz herzlichen Dank meine Coaches Alex Böhme, Markus Zumbrunn, Christoph Feyer und Steven Schüller die mich das ganze Jahr über betreut haben.
Weiter bedanke ich mich herzlich bei meinen Sponsoren, Partnern und Ausrüstern. Danke, dass ihr an mich glaubt und mich stets unterstützt habt!
Wie geht es jetzt weiter
Ende April gab Swiss-Ski die Selektionen bekannt. Ich wurde in die Europacup-Riesenslalomgruppe aufgenommen.
Wie der Name meines Teams schon verrät, ist mein Ziel für den kommenden Winter, im Europacup Fuss zu fassen. Meine Spezialdisziplin bleibt der Riesenslalom, in dem ich bisher meine grössten Erfolge feiern konnte. Im Super-G habe ich mich in den letzten Jahren ebenfalls kontinuierlich verbessert. Deshalb möchte ich auch in dieser Disziplin erste Erfahrungen auf Europacup-Niveau sammeln und mich weiterentwickeln.
Mein neues Team besteht aus vier Athleten, zwei Trainern und zwei Servicemännern. Ich freue mich darauf, in diesem professionellen Umfeld die nächsten Schritte zu machen und meine sportlichen Ziele mit voller Motivation weiterzuverfolgen.


